
Fingerboard: kompletter Ratgeber | Was es ist, Teile, Marken, Tricks
Kompletter Fingerboard-Ratgeber: was es ist, Teile (Deck, Trucks, Rollen, Tape), Marken (Berlinwood, Blackriver, Tech Deck), grundlegende Tricks und Hindernisse.
Fingerboard ist Skateboarden in Miniatur, mit den Fingern gespielt: ein ~32 mm Skateboard mit echten Trucks, Rollen und Griptape. Was es ist, Teile, Pro-Marken und grundlegende Tricks.
Das Fingerboard ist ein Mini-Skateboard — typischerweise 32 bis 34 mm breit — das mit Zeige- und Mittelfinger statt mit den Füßen bedient wird. Es bildet mit überraschender Genauigkeit die Mechanik echten Skateboardens nach: Deck mit Concave, Trucks mit Kingpin, Rollen mit Lagern und Griptape, das den Fingern Halt gibt. Was als Schlüsselanhänger-Spielzeug der 90er begann, ist heute eine Disziplin mit Premium-Marken, maßstabsgetreuen Hindernissen und globaler Community. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was es ist, wie es aufgebaut ist und wie man anfängt.
In diesem Ratgeber
Was ein Fingerboard ist
Ein Fingerboard ist eine funktionale Replika im Maßstab (~1:8) eines echten Skateboards. Du bedienst es mit zwei Fingern: einem hinten für "Ollies" (Pop) und einem vorne zum Lenken. Es erlaubt die meisten Tricks echten Skateboardens (Ollie, Kickflip, Heelflip, Grinds, Slides) auf maßstabsgetreuen Hindernissen (Rampen, Boxes, Rails, Bowls) auszuführen. Es ist nicht nur "Skateboard-Spielzeug": in der Pro-Klasse ist es eine feinmotorische Disziplin mit Meisterschaften und aktiver Community.
Kurze Geschichte
- 70er-80er — Erste Schlüsselanhänger in Skateboard-Form tauchen auf, als Schmuck konzipiert.
- 1985 — Lance Mountain (Pro-Skater) baut funktionale Fingerboards zur Hotelzimmer-Unterhaltung; erscheint kurz in Branchenmagazinen.
- 1998 — Steven Asbell und Peter Asher gründen Tech Deck in den USA: Fingerboard als Massenkonsumprodukt mit Lizenzen echter Skate-Marken (Element, Plan B, Zero…).
- 1999 — Martin Winkler gründet Berlinwood in Berlin: der erste "Pro"-Hersteller von gepressten Holz- und Custom-Decks.
- 2003 — Blackriver Ramps erscheint: maßstabsgetreue Rampen und Hindernisse, fundamental für die Entwicklung des Fingerboards als Disziplin.
- 2008+ — Globale Pro-Marken wachsen: FlatFace, BRR Trucks, Oak Wheels. Internationale Conventions (Rendezvous, Fast Fingers BFFS) konsolidieren die Community.
Teile des Fingerboards
| Teil | Funktion | Details |
|---|---|---|
| Deck | Hauptkörper | Gepresstes Holz (Ahorn) in der Pro-Klasse; Kunststoff bei Tech Deck. Typische Breiten 29-34 mm. |
| Trucks | Achsen, die die Rollen halten | Metall in der Pro-Klasse, mit verstellbarem Kingpin. Referenz: BRR (Blackriver), Y-Trucks. |
| Rollen | Ermöglichen das Rollen | Urethan in der Pro-Klasse (Oak, Substance) mit echten Lagern. Durchmesser 7-8 mm. |
| Bushings | Gummis im Truck | Regulieren die Härte des Lenkens; austauschbar. |
| Tape | Griffoberfläche | Dünner Klebeschaum bei Pro (FlatFace, BRR); Feinkorn-Schleifpapier bei Spielzeug. |
| Schrauben | Befestigen Trucks am Deck | 4 pro Truck. |
Marken: vom Spielzeug zum Pro
| Marke | Herkunft | Klasse |
|---|---|---|
| Tech Deck | USA, 1998 | Massenmarkt (Kunststoff-Deck); Lizenzen echter Skate-Marken |
| Berlinwood | Deutschland, 1999 | Pro; handgepresste Holzdecks; verschiedene Breiten und Formen |
| Blackriver (BRR) | Deutschland | Pro-Trucks, Referenz-Hindernisse und Parks |
| FlatFace | USA | Pro-Decks und Rollen; starke Präsenz im Wettkampf |
| Oak Wheels | USA | Pro-Urethanrollen; Qualitätsstandard |
| Bollie | Deutschland | Pro-Decks; europäische Alternative zu Berlinwood |
| Substance | International | Pro-Rollen und Zubehör |
| Y-Trucks | Deutschland | Pro-Trucks Alternative zu BRR |
Schlüsselunterschied: ein Tech Deck kostet €5-10 und reicht zum Einstieg; ein komplettes Pro-Setup (Berlinwood + BRR + Oak + FlatFace Tape) liegt im Bereich €60-100. Der Unterschied zeigt sich sofort: das Pro-Deck hat echtes Concave, angemessenes Gewicht und konsistente Reaktion, die Kunststoff nicht erreichen kann.
Grundlegende Tricks in Reihenfolge
- Ollie — der fundamentale Trick; springen, indem du mit dem hinteren Finger "poppst" und mit dem vorderen ziehst. Ohne Ollie nichts weiter.
- Shove-it — das Deck dreht sich 180° horizontal, ohne dass du flippst.
- Kickflip — das Deck rotiert längs (um die Längsachse) während eines Ollies.
- Heelflip — Kickflip aber zur anderen Seite drehend.
- Pop shove-it — kombiniert Ollie + Shove-it: Sprung + horizontale Drehung.
- Grinds — die Trucks gleiten auf einer Kante (50-50, Nosegrind, 5-0, Smith).
- Slides — das Deck gleitet auf einer Kante (Boardslide, Noseslide, Tailslide).
- Manuals — auf den hinteren oder vorderen Rollen balancieren.
Die Reihenfolge ist wichtig: ohne konsistenten Ollie führt der Kickflip zu Frustration und schlechten technischen Angewohnheiten. Die meisten ernsthaften Tutorials empfehlen 1-2 Wochen nur für den Ollie, bevor man weitergeht.
Hindernisse und Parks
Maßstabsgetreue Hindernisse machen aus dem Fingerboard eine Disziplin, kein Spielzeug:
- Boxes — viereckig oder rechteckig für Grinds und Slides; Blackriver, FlatFace.
- Rampen / Quarterpipes — für Airs und Stalls.
- Funboxes — Kombinationen aus Rampe + Box.
- Bowls und Miniramps — für Miniatur-Bowl-Skating.
- Treppen und Rails — Treppen mit Geländer für Abwärts-Grinds.
- Komplette Parks — maßstabsgetreue Replikate echter Skateparks (Blackriver hat einige berühmte: Tehas, MUC, Hollywood High).
Ein minimales Starter-Setup umfasst eine kleine Box und eine kleine Rampe; damit übst du schon die meisten Tricks. Marken wie Blackriver, FlatFace oder BRR machen Hindernisse aus echtem Holz (nicht Plastik), die Jahre halten.
Wie das erste wählen
- Wenn du nur probieren willst: ein Tech Deck für €6-10 reicht für die ersten Ollies und um zu sehen, ob es dich packt. Puristen empfehlen es nicht, aber als Anfangsfilter funktioniert es.
- Wenn du es ernst meinst: komplettes Pro-Setup (Berlinwood- oder FlatFace-Deck, BRR oder Y-Trucks, Oak-Rollen, FlatFace-Tape). Anfängliche Investition €60-100, aber der Unterschied in der Reaktion ist vom ersten Ollie an spürbar.
- Deck-Breite: 32 mm ist der häufigste Standard; 29 mm für kleine Finger, 34 mm für die, die vom echten Skate kommen.
- Tape (Grip): Schaum-Tape ist das meistgenutzte im Pro für Grip und Komfort; echtes Schleifpapier, wenn du ein realistischeres Gefühl willst, aber weniger Komfort.
- Hindernisse: beginne mit einer kleinen Box und einer Quarterpipe vor einem kompletten Park.
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